AfD-Parteitag in ErfurtDie Angst vor dem faschistischen Überwachungsstaat

Bei den Protesten gegen den AfD-Parteitag in Erfurt ging es auch um drohende KI-Überwachung. Viele Protestierende fürchten sich davor, dass Videoanalysen und Megadatenbanken Nazis in die Hände fallen. Bereits jetzt ist das Tech-Arsenal beeindruckend, mit dem die Polizei die Rechten absichert.

  • Denis Glismann
  • Martin Schwarzbeck
Polizei mit Helmen vor Wasserwerfer.
Die Thüringer Polizei erhielt Unterstützung aus dem ganzen Bundesgebiet. Hubschrauber und Wasserwerfer sind mit Kameras bestückt. CC-BY-SA 4.0: Timothy Froh

Erfurt am vergangenen Samstag: Eine Polizeikolonne bahnt sich ihren Weg durch eine Menge aus Menschen in gelben Westen. Wer im Weg steht, wird zur Seite geschubst. Protestierende kommen zu Fall. Einige skandieren: „Wir sind friedlich, was seid ihr?“ Dann plötzlich Gelächter: Der Letzte in der Kolonne ist ein Clown mit wütender Mimik, der den martialischen Stil der Polizist*innen imitiert.

Der Clown und die Menschen in den gelben Westen wollen den Bundes-Parteitag der AfD verhindern. Je nach Quelle sind dafür zwischen 31.000 und 50.000 Menschen angereist. Mehrere tausend Polizist*innen sollen sie davon abhalten. Thüringen ist eine AfD-Hochburg, die Partei ist hier mit Abstand stärkste Kraft.

Der Protest steht auf mehreren Ebenen im polizeilichen Fokus. Kameras auf Stäben, die Polizisten halten. Kameras auf den Wasserwerfern und unter dem Hubschrauber, der über dem Geschehen kreist. Vor allem mit der Kamera aus der Luft kann die Polizei aus großer Höhe und Distanz scharfe Porträts schießen. Mit der Internet-Gesichtersuche, die Bund und viele Landespolizeien einführen wollen, ließen sich dann beispielsweise Arbeitsstelle, Vereinsmitgliedschaften oder Social-Media-Profile der abgebildeten Person aufstöbern.

„Dann landet man in einer Datenbank“

Tom, einer der Demonstrierenden, fürchtet, dass eine kommende AfD-Regierung die Bilder nutzen könnte, um Gegner*innen zu identifizieren. Weitere in Thüringen geplante Polizei-Befugnisse, so wie die automatisierte Verhaltenserkennung oder der Aufbau einer KI-basierten Megadatenbank, könnten ebenfalls zur Ausforschung der Strukturen politischer Bewegungen genutzt werden, meint Tom. „Dann landet man in einer Datenbank, weil man auf einer Demonstration war“, sagt er.

Tom ist mit seiner Angst vor einer kommenden High-Tech-Überwachung nicht allein bei diesem Anti-AfD-Protest. Das polizeigesetzkritische Bündnis „ThürPAG stoppen“ stellt einen ganzen Demoblock. David vom Bündnis, der ebenfalls im Rahmen der Proteste in Erfurt ist, sagt: „Die Möglichkeit, Personen anhand von Daten aus dem Internet zu identifizieren, ist extrem einschüchternd.“ Versammlungsfreiheit brauche Anonymität. Sonst könnten staatliche Stellen Profile davon erstellen, wer mit wem bei welchen Protesten dabei ist, sagt David.

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Das Bündnis ThürPAG stoppen verschickte dazu ein Statement: „Viele der geplanten Maßnahmen sind Werkzeuge aus dem Repertoire autoritärer Überwachungsstaaten. Wenn sie dann auch noch in die Hände einer rechtsextremen Partei wie der AfD fallen, dann droht eine Gängelung und Verfolgung demokratisch und antifaschistisch gesinnter Menschen in Thüringen.“ ThürPAG stoppen hat auch eine Petition gegen die thüringische Polizeigesetznovelle aufgesetzt.

Blockade auf Straße.
Protestler*innen blockieren den gesamten Gothaer Platz.

„Wehrt euch, leistet Widerstand“

Die Hoffnung, den Parteitag zu verhindern, hatte sich früh zerschlagen. Die AfD-Delegierten waren bereits in der Nacht angereist. Anfangs blockieren Protestierende dennoch die Zufahrtswege. Doch nach und nach ziehen immer mehr Gruppen als Demonstrationszüge durch die Stadt und finden dann auf dem Gothaer Platz zusammen. Die Menge singt: „Wehrt euch, leistet Widerstand, gegen den Faschismus hier im Land.“ Vor genau 100 Jahren hielt die NSDAP rund 25 Kilometer entfernt ihren ersten Parteitag nach der Neugründung ab.

Plötzlich ertönen Buhrufe aus der Menge, Protestierende und Polizist*innen rennen los. Etwa zehn Beamte bilden eine schützende Traube um vier Menschen in grauer Weste, ausgestattet mit Helmen, Kameras und Mikrofon. Auf den ersten Blick ein Presse-Team, tatsächlich scheinen es rechte YouTuber zu sein. Ein Sprecher der Kundgebung fordert über ein Megafon von der Polizei, die Nazi-Streamer zu entfernen. Die Menge drumherum skandiert „Nazis raus“ – und die Polizei eskortiert sie schließlich davon.

Die Demo zieht daraufhin am zentralen Platz Erfurts vorbei, dem Anger. Hier hängen seit vergangenem Jahr zehn Spezial-Kameras, die mit je mehreren Objektiven gleichzeitig ganze Straßenzüge hochauflösend und scharf erfassen können. Die Aufnahmen werden 14 Tage lang gespeichert.

Demo zieht durch Innenstadt.
Die Demo zog nach den Blockadeaktionen durch die Erfurter Innenstadt.

Software soll erkennen, wer was tut

Geht es nach der Thüringer Minderheitsregierung aus CDU, BSW und SPD sollen die Kameras bald mit Verhaltenserkennungs-Software ausgerüstet werden und Bewegungsmuster automatisiert in „problematisch“ oder „egal“ einteilen. Als die Demo vorbeizieht, hängen Blenden vor den Objektiven – zum Schutz des Versammlungsrechts. Doch als am Morgen zahlreiche Aktivist*innen über diesen Platz anreisten, waren die Blenden noch nicht heruntergeklappt.

Marla ist eine der Demonstrationsteilnehmenden. Die junge Juristin treiben ebenfalls sowohl der Rechtsruck, als auch die drohende KI-Überwachung um. Sie muss auf ihrem Arbeitsweg beinah täglich am Anger umsteigen. „Ich habe da jedes Mal ein mulmiges Gefühl“, sagt sie. Marla fürchtet zudem, dass Thüringen bei der Erstellung einer Datenbank für die KI-Auswertung auf Software von Palantir zurückgreifen könnte. Die Milliardäre hinter dem Unternehmen seien für faschistische Einstellungen bekannt, ihr Produkt „aus demokratischer Perspektive inakzeptabel“.

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Was die Polizei bereits kann

Die Thüringer Polizei hat auch ohne die neuen, geplanten, KI-Werkzeuge ein beeindruckendes Überwachungsarsenal, mit dem sie den Protest abbilden und analysieren kann. Sie besitzt beispielsweise mehrere Drohnen, mit denen sie regelmäßig auch Großveranstaltungen kontrolliert. Wie viele Drohnen genau ihr zur Verfügung stehen und was die alles können, hält sie geheim. Videoaufnahmen können wohl als Mindestqualifikation vorausgesetzt werden. Im September 2025 waren 85 Thüringer Polizist*innen dazu befähigt, die Flugobjekte zu steuern.

Die Thüringer Polizei kann zudem Mobiltelefone mit IMSI-Catchern orten und abhören. Sie kann sie mit Cellebrite knacken und hat wohl ebenfalls Zugriff auf Kennzeichenscanner. Und sie kann zudem Staatstrojaner und Funkzellenabfragen nutzen.

2021 hat die thüringische Polizei beispielsweise nach Sachbeschädigungen per Funkzellenabfrage 138.000 Datensätze zu rund 11.000 Mobilfunkrufnummern erfasst: Standorte, SMS, wer mit wem telefonierte. Benachrichtigt wurden die Betroffenen nicht.

Ein Stadtplatz mit einem Kameraturm.
Der dunkle Turm vom Anger. Wird das große Auge auch bei zukünftigen Versammlungen verdeckt sein?

Jetzt wird zurückgestarrt

Das Bündnis ThürPAG stoppen benennt auch seine Sorge vor einem weiteren geplanten Polizei-Tool: der elektronischen Fußfessel. Die kann nach dem aktuellen Gesetzentwurf schon bei einer Gefahr für Anlagen mit „unmittelbarer Bedeutung für das Gemeinwesen“ eingesetzt werden. Die Polizei könnte demnach Menschen, die Straßenblockaden ankündigen, mit elektronischen Peilsendern fesseln.

Der Clown, der anfangs so humorvoll die brutalen Polizist*innen imitierte, ist nicht allein angereist. Er hat eine ganze Truppe von Demo-Clowns dabei. Eine seiner Kolleg*innen, sie trägt einen bunten Hut zur roten Nase, baut sich vor einem Polizisten auf, das geschminkte Gesicht nur einen halben Meter vom Polizeihelm entfernt. Die Clownin starrt in die Augen hinter dem Visier – immer länger und länger. Den ganzen Tag schaute der Staat auf die Zivilgesellschaft – aus dem Hubschrauber, dem Wasserwerfer, den Mast-Kameras. Hier starrt jemand demonstrativ zurück.

Über die Autor:innen

  • Denis Glismann

    Denis Glismann ist freier Journalist. Er war von April bis Juni 2026 Praktikant bei netzpolitik.org und hat Politikwissenschaft an der FU Berlin studiert. Er interessiert sich für Cyberkriminalität, Datenmacht und dafür wie KI, Desinformation und digitale Kultur politische Realitäten formen.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Bluesky, Mastodon

  • Martin Schwarzbeck

    Martin ist seit 2024 Redakteur bei netzpolitik.org. Er hat Soziologie studiert, als Journalist für zahlreiche Medien gearbeitet, von ARD bis taz, und war lange Redakteur bei Berliner Stadtmagazinen, wo er oft Digitalthemen aufgegriffen hat. Martin interessiert sich für Machtstrukturen und die Beziehungen zwischen Menschen und Staaten und Menschen und Konzernen. Ein Fokus dabei sind Techniken und Systeme der Überwachung. Für Recherchen zur Spionage-App mSpy hat er gemeinsam mit Chris Köver 2026 den Sonderpreis Print des Datenschutz Medienpreises DAME erhalten.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Signal: yoshi.42042

    Foto: Darja Preuss


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19 Kommentare zu „Die Angst vor dem faschistischen Überwachungsstaat“


  1. Hans-Jörg Friedlein

    ,

    Schon die Einleitung des Artikels ist reichlich absurd.

    Zitat:“Bei den Protesten gegen den AfD-Parteitag in Erfurt ging es auch um drohende KI-Überwachung. Viele Protestierende fürchten sich davor, dass Videoanalysen und Megadatenbanken Nazis in die Hände fallen. Bereits jetzt ist das Tech-Arsenal beeindruckend, mit dem die Polizei die Rechten absichert.“

    Was hier wortwörtlich steht, bedeutet konkret, es existieren bereits umfassende, totalitäre Überwachungsmaßnahmen. Aber die Gefahr wird in die Zukunft und auf andere verlagert.

    Später im Text folgt jenes Zitat:“Geht es nach der Thüringer Minderheitsregierung aus CDU, BSW und SPD sollen die Kameras bald mit Verhaltenserkennungs-Software ausgerüstet werden und Bewegungsmuster automatisiert in „problematisch“ oder „egal“ einteilen.“

    Der aufstrebende Totalitarismus soll weiter ausgebaut werden. Aus dem Zitat ist eindeutig herauszulesen, dass hier nicht die AFD das Problem ist.

    Man muss die AFD nicht mögen, denn auch sie wird kein einziges Problem unseres Landes lösen. Aber was in den Synapsen von Menschen vorgeht, die gegen die AFD protestieren und gleichzeitig den ständigen Ausbau von totalitären Maßnahmen der etablierten Parteien hinnehmen ist an Absurdität kaum noch zu überbieten. Ich war selbst in Stuttgart bei einer Demo gegen die Einführung von Palantir Software. Obwohl mindestens 6 linke Bündnisse zur Demo aufgerufen haben, waren dort keine 50 Hanseln zugegen. Die linke Blase lockt also nicht einmal ihre eigene Klientel gegen einen aufstrebenden Überwachungsstaat hinter dem Ofen vor. Lieber kämpft man heroisch gegen ein rein hypothetisches Problem. Die Realität wird ausgeblendet, eine Fiktion wird bekämpft. Mit diesem Demokratieverständnis ist das Land bereits verloren!


    1. Martin Schwarzbeck

      ,

      Werter Vorstadtcowboy, das ist aber eine arg schwächliche Argumentation, weil ja in Erfurt, wie der Artikel beschreibt, eben explizit auch gegen den Überwachungsstaat gekämpft wird.


      1. Markus

        ,

        Der Überwachungsstaat wird nicht erst problematisch, wenn ihn die AfD nutzt. Er ist problematisch, sobald er Bürger großflächig erfassen, klassifizieren und abschrecken kann.

        Die Frage ist daher nicht nur: „Was passiert, wenn die AfD an die Macht kommt?“

        Sondern zuerst: „Warum entstehen solche Apparate überhaupt?“

        Diese Frage ist viel unangenehmer und persönlicher, als es die im Artikel vertretene politische Position erkennen lässt. Genau dort setzt die treffende Kritik von Hans-Jörg Friedlein an.


    2. Karl

      ,

      Du merkst wohl gar nicht, wie wenig hilfreich und sogar kontraproduktiv dein unkluger (um das unschöne Wort ‚dämlicher’ zu vermeiden) Kommentar für unseren Kampf gegen die Überwachung ist?

      Und dann packst du auch noch eine Relativierung bzw. Verharmlosung der AfD rein und hältst die demokratischen Parteien von heute praktisch für genauso schlimm wie eine gesichert RechtsEXTREME Partei?
      Geht’s noch?

      Also wirklich, auf Leute wie dich können wir im Kampf gegen den Überwachungsstaat echt verzichten. Bitte poste nie wieder so einen Unsinn, bevor du nicht verstanden hast, wie destruktiv und wenig sinnvoll deine Argumente sind.


      1. Nicht Karl!

        ,

        Warum werden hier solche Hass und Hetze-Ergänzungen wie von „Karl“ freigeschaltet? Null Argumente, nur ad hominem Beledigungen! Ich finde, sowas sollte hier nicht stehen bleiben.


        1. Martin Schwarzbeck

          ,

          Das ist richtig, aufgrund der Beleidigungen hätte ich den nicht freigeben dürfen. Aber ich werde dennoch keinen bereits veröffentlichten Kommentar löschen.


  2. Anonym

    ,

    „Auf den ersten Blick ein Presse-Team, tatsächlich scheinen es rechte YouTuber zu sein.“

    Und das von einem Blog, das sich journalistisch nennt und es besser wissen sollte? Die „Nazi Streamer“ sind dann Freiwild?

    Selbst die TAZ spricht von „Gewalt gegen rechte Journalisten“.


    1. Anonym

      ,

      „Gewalt gegen rechte Journalisten“ – Ja, die andere Zeitung hat auch Überschriften. Unterhält man sich jetzt nur noch in konformen Überschriften, oder darf es auch mal ins Detail gehen?

      Es ist wohl so, dass ein rechter Influencer/Streamer vor Ort war. Dabei ist „rechts“ wohl/hoffentlich eine korrekte Einschätzung. Es könnte auch ein Propagandahäschen oder ein extremer Kanal sein, was ich allerdings nicht weiß. Was ich aber weiß, ist dass die jew. Szenen einige Streamer „der anderen Seite“ gelegentlich erkennen und Vor Ort angehen, wenn auch nicht immer körperlich.

      Entscheidend ist aber weiterhin, wie die „Journalisten“ da aufgetreten sind. Würden sie an der Ampel überrollt, würden wir auch nicht von Gewalt gegen Journalisten sprechen. Nahes Filmen z.B. könnte als Gewaltform interpretiert werden. Hier gibt es mehrere Aspekte.

      1. Laut anderer Berichterstattung, z.B. MDR, ist nicht klar (gewesen bis zum Sendezeitpunkt), ob die Journalisten als solche erkennbar gewesen waren.
      2. Laut Aussage Apollo News seien die Journalisten als solche dadurch erkennbar gewesen, als dass sie mit Smartphones gefilmt hätten o.ä. Das ist schon per se dubios. Das Wort „investigativ“ habe ich z.B. noch nicht gehört. Auszeichnung als Presse oder Kontaktaufnahme, Fehlanzeige. Unterscheidbarkeit von rechtsextremen Datensammlern, Fehlanzeige.
      3. Apollo hat schwadroniert, man sei dem Kern der Demonstration nahe gekommen, das Wort schwarzer Block fiel. 1. Schwarzer Block ist wohl nicht der Kern einer Demonstration, die offizielle Organisatoren hat, sondern der einer spezifischen Szene. 2. Erwartungen: https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Block (Autonome, Extremisten, Anarchisten, als internationales Begriffssammelsurium, auch wenn anfänglich oder zumeißt gewaltfrei.)


      1. Anonym

        ,

        Waren das nicht Gelbwesten im Video?? Die kann man schon mal mit dem, äh (Blättern, Rascheln), schwarzen Block verwechseln?


  3. Anonym

    ,

    Die Bild hat den Angriff auf einen Journalisten von Apollo News thematisiert, und mit Weimar verglichen.

    Das ganze Framing war schräg, wenn auch der Vergleich nicht ganz falsch, wenn man die einseitigen Vibes rausschneidet.

    Der Untertitel aber war der faschismuskompatible Zitat, inetwa „Was DIE LINKEN hier veranstalten, ist Bürgerkrieg, das ist Straßenkampf.“

    Während also Teile von Wahrheit womöglich dabei sind, wird hier ein Spiegelnarrativ errichtet. Von den Vertrauenswürdigsten der Vertrauenswürdigsten, so muss man das ja sehen, oder?


    1. Anonym

      ,

      Abgesehen davon, dass Bild hier auf Youtube mit dem faschisierenden Zitat über den gesamten Beitrag hinweg herumgewedelt hat.

      Tatsächlich muss man hinterfragen, ob das noch Berichterstattung ist. Anführungszeichen waren zwar gesetzt, aber die Quelle war nicht im Text zu sehen. Zur Polarisierung wird also das Zitat dort stehengelassen, wenn man freundlich interpretieren will. Sicherlich gibt es dazu bereits Rechtssprechung, und es wurde zwischendurch sogar mal ausgeblendet, dann wieder eingeblendet.

      In einer Clickbaitüberschrift bzw. Thumbnail kann man das vielleicht noch durchgehen lassen, aber den gesamten tränenrührenden Beitrag lang als Text im Vordergrund?


  4. Anonym

    ,

    Ich möchte grundsätzlich nicht in einer Datenbank landen, wenn ich mich im öffentlichen Raum bewege oder meine demokratischen Grundrechte wahrnehme! Ganz egal, ob diese Datenbank dann von Rechten oder Linken ausgewertet wird. Ganz egal, ob gegen die AfD, gegen Corona-Maßnahmen oder gegen sonstwas demonstriert wird. Ganz egal, welche Partei an der Macht ist.

    Solche Spaltungen lenken nur vom Thema ab! Ein Überwachungsstaat ist grundsätzlich abzulehnen, egal in welcher „Farbe“, Punkt!


  5. Jan Pfeil

    ,

    Die Intoleranten haben Demokratie nicht verstanden. Sie verstecken sich nur gern hinter ihrem Schutz, wenn es ihre eigenen Interessen unterstützt. Die Meinung Andersdenkender wird diffamiert. Aber es ist das Volk.
    Man wendet sich gegen den Kopf einer Partei, anstatt sich um die Sympatisanten zu kümmern. Die 42% Afd Wähler in Sachsen-Anhalt sind nicht die Parteigenossen, das sind eure Nachbarn, das Volk. Das ist die Mitte der Gesellschaft im Osten, das sind 42% Beamte, 42% Arbeiter, 42% Bauern, Ingenieure, Lehrer usw. Wer kümmert sich um diese Leute, ihre Probleme, ihre Alltagserfahrungen? Die Demonstranten und Verhinderer?


    1. Anonym

      ,

      Das Bundesland an China verkaufen? Der konkrete Überwachungsstaat scheint denen ja nicht so wichtig zu sein…


    2. Butter für die Fische

      ,

      > Man wendet sich gegen den Kopf einer Partei, anstatt sich um die Sympathisanten zu kümmern.

      Im Prinzip ein guter Punkt! Aber wer ist „man“?

      > Wer kümmert sich um diese Leute, ihre Probleme, ihre Alltagserfahrungen? Die Demonstranten und Verhinderer?

      Du fragst, „wer“ sich kümmern soll. Das können wohl nicht die selben sein, die Du oben mit „man“ bezeichnest. Oder doch?

      Mal ganz konkret gefragt: Was konkret bzw. wie viel „Netto“ müsste auf operationaler Ebene bei den Protestwählern ankommen, damit die nicht mehr die Alternative für Dumme wählt? Oder reicht es, denen nur das „Gefühl“ zu geben, sie seinen wichtig?


      1. Anonym

        ,

        Netto… vgl. Historie der Zusammensetzung der Wählerschaft sogenannter etablierter Parteien?

        Aus meiner Sicht ist eine grundlegende Sicherung unabdingbar, für das Leben. Ich meine kein PR-Wort sondern wirklich ein sicherndes Fundament. ABER, die Idee, das Geld könne diese Probleme lösen, könnte ein Irrweg sein. Fußen die Krisen der Demokratien derzeit wirklich darauf?


        1. mynona

          ,

          > Fußen die Krisen der Demokratien derzeit wirklich darauf?

          Nein, die Krisen der freiheitlich liberalen Demokratien jedenfalls fußen nicht primär auf der Angst vor Überwachung, aber die Überwachung ist das gefährlichste Werkzeug einer viel tiefer liegenden Krise. Die eigentlichen Ursachen liegen im Verlust von sozialem Zusammenhalt, wachsender ökonomischer Ungleichheit und einer tiefen Repräsentationskrise.

          Viele Bürger fühlen sich von den etablierten politischen Eliten nicht mehr gehört, was zu einem massiven Vertrauensverlust in demokratische Institutionen führt. Rechtspopulistische und autoritäre Kräfte nutzen diese Frustration und soziale Verunsicherung gezielt aus, um Stimmen zu fangen.

          Aber erst wenn diese Kräfte an die Macht gelangen, wird der bereits existierende Überwachungsapparat – den liberale Demokratien oft im Namen der Terrorbekämpfung leichtfertig aufgebaut haben – zur existenziellen Bedrohung.

          Die Angst vor dem Überwachungsstaat ist also nicht die Ursache der demokratischen Krise, sondern eine berechtigte Sorge vor deren absolutem Endstadium, in dem jede Opposition im Keim erstickt werden kann.


  6. mynona

    ,

    Die entscheidende Frage ist doch: Wie können wir uns wehren?

    Wir müssen die Resilienz unserer demokratischen Institutionen stärken, solange noch Zeit ist. Das bedeutet:

    1.„Präventiver Verfassungsschutz“ durch den Abbau von Überwachungsbefugnissen: Je weniger invasive Spionagewerkzeuge (wie Staatstrojaner oder flächendeckende Gesichtserkennung) heute gesetzlich legitimiert sind, desto weniger Missbrauchspotenzial steht einem zukünftigen Regime zur Verfügung.

    2. Wir brauchen robuste institutionelle Hürden (Sicherungen im Grundgesetz, unabhängige Kontrollgremien und eine wehrhafte Justiz), die nicht mit einfacher parlamentarischer Mehrheit geschleift werden können.

    3. Die Zivilgesellschaft ist der wichtigste Schutzschild: Proteste, freie Medien und wachsame Bürgerbündnisse müssen den Preis für autoritäre Übergriffe so hoch wie möglich treiben.

    Demokratie schützt sich nicht von selbst – sie lebt vom unermüdlichen aktiven Widerstand gegen den Ausbau des Überwachungsstaates im Hier und Jetzt, aber auch noch morgen und übermorgen. Der Widerstand bleibt als permanente Aufgabe, die wie nie werden abhaken können.


    1. Anonym

      ,

      1. Und umso weniger Mittel hätte der Verfassungsschutz, zu schützen. Wo sollten denn die Stellschrauben sein?
      2. Sicherlich ungefähr. Auch im Verfassungsschutz verankert, unabhängige Elemente mit entsprechenden Prozessen. Nicht aber einfach mal so direkter Einblick und Abfluss bzgl. jeglicher Information.
      3. Klar. Als Existenzminimum. Lieber wären mir weiter und breiter verankterte Sicherheiten, dass das Grundprinzipien erhalten bleiben. Die Idee, mit einer Regierung grundlegende Prinzipien umzustoßen ist sowieso abstrus. Das sollten Multilegislaturprozesse unter zwangsweiser Einbindung von (unabhängigen!) Universitäten und Zivilgesellschaft hin. Alles andere bleibt oder wird 2/3, aber kann nur temporär und unter spezifischer Aufsicht geschehen. Gesetze haben Ablaufdaten, und müssen auf Sinnhaftigkeit, Wirksamkeit, und Worttreue bzgl. des beschriebenen Zwecks hin auf Existenzberechtigung geprüft werden, und das prinzipiell kontinuierlich (bzw. wieder anstoßbar).

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